Gefährdungen erkennen
Mechanische, thermische, chemische, elektrische, optische und weitere Belastungen systematisch erfassen.
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Arbeitsschutz beginnt mit der Gefährdungsbeurteilung und nicht mit der Produktauswahl. Tätigkeit, Exposition, Arbeitsumgebung und mögliche Folgen bestimmen, welche technischen, organisatorischen und persönlichen Schutzmaßnahmen erforderlich und geeignet sind.
Ausgangspunkt
Schutzmaßnahmen müssen zur konkreten Arbeitssituation passen. Eine allgemeine Produktempfehlung ohne Kenntnis der Gefährdung ist für sicherheitsrelevante Tätigkeiten nicht ausreichend.
Mechanische, thermische, chemische, elektrische, optische und weitere Belastungen systematisch erfassen.
Gefahren möglichst vermeiden oder durch technische und organisatorische Maßnahmen beherrschen.
Schutzwirkung, Leistungskennwerte, Passform, Kompatibilität und Einsatzdauer gemeinsam betrachten.
Unterweisung, Zustand, Pflege, Lagerung, Prüfung und rechtzeitigen Austausch sicherstellen.
Anwendungen
Unterschiedliche Arbeiten erfordern unterschiedliche Schutzkonzepte. Mehrere Gefährdungen können gleichzeitig auftreten und müssen gemeinsam betrachtet werden.
Schutz vor optischer Strahlung, Funken, Hitze, Rauch, Gasen und mechanischen Einwirkungen.
Augen-, Gesichts-, Gehör-, Atem- und Handschutz bei mechanischer Bearbeitung und Staubentwicklung.
Schutz bei Stäuben, Flüssigkeiten, Lösemitteln, Chemikalien und kontaminierten Oberflächen.
Schutz bei wechselnden Arbeitsplätzen, Verkehrswegen, Witterung, Montagearbeiten und Absturzgefährdungen.
Schutzkonzepte für wiederkehrende Arbeiten an Maschinen, Werkzeugen, Bauteilen und Betriebsstoffen.
Schutz bei schwer vorhersehbaren oder wechselnden Gefährdungen während Diagnose, Reparatur und Wartung.
Gefährdungsbeurteilung
Vor Aufnahme einer Tätigkeit werden Gefährdungen, Exposition und mögliche Folgen bewertet. Daraus werden geeignete Schutzmaßnahmen abgeleitet. Persönliche Schutzausrüstung ist dabei Teil eines Schutzkonzepts und nicht automatisch die erste Maßnahme.
Schutzmaßnahmen
Schutzmaßnahmen werden in einer Rangfolge betrachtet. Persönliche Schutzausrüstung ergänzt das Schutzkonzept, wenn Risiken nicht ausreichend durch vorrangige Maßnahmen vermieden oder reduziert werden können.
Gefährliche Arbeitsstoffe, Arbeitsmittel oder Verfahren möglichst durch weniger gefährliche Alternativen ersetzen.
Gefährdungen beispielsweise durch Einhausung, Absaugung, Schutzvorrichtungen oder technische Trennung reduzieren.
Arbeitsabläufe, Zugänge, Aufenthaltszeiten, Kennzeichnung und organisatorische Regeln sicher gestalten.
Geeignete PSA, Unterweisung, Qualifikation und sicheres Verhalten als ergänzende Schutzebene einsetzen.
PSA-Kategorien
Die europäische PSA-Systematik unterscheidet Risikokategorien I, II und III. Diese Kategorien beschreiben die Art beziehungsweise Schwere der Risiken, gegen die eine PSA schützen soll. Die konkrete Schutzwirkung wird dagegen über die jeweils produktbezogenen Normen, Klassen und Leistungskennwerte beschrieben.
PSA für bestimmte geringfügige Risiken. Die konkrete Eignung bleibt abhängig von Tätigkeit, Produktkennzeichnung und Herstellerangaben.
PSA für Risiken, die weder den geringfügigen Risiken der Kategorie I noch den besonders schwerwiegenden Risiken der Kategorie III zugeordnet sind.
PSA gegen Risiken mit möglichen sehr schwerwiegenden Folgen wie Tod oder irreversiblen Gesundheitsschäden.
Schutzklassen & Leistungskennwerte
Es gibt keine universelle Schutzklasse für persönliche Schutzausrüstung. Je nach Produktgruppe gelten unterschiedliche Klassen, Stufen und Leistungskennwerte. Entscheidend ist, dass Kennzeichnung und Herstellerangaben zur ermittelten Gefährdung passen.
Auswahl nach mechanischer Gefährdung, optischer Strahlung, Flüssigkeiten, Staub, Temperatur und erforderlichem Sichtfeld.
Filter- oder Gerätekonzept nach Schadstoffart, Konzentration, Partikel-, Gas- oder Dampfbelastung und Sauerstoffsituation bestimmen.
Leistungsanforderungen nach mechanischer, thermischer, chemischer oder weiterer Gefährdung und notwendiger Fingerfertigkeit auswählen.
Dämmwirkung anhand der tatsächlichen Lärmbelastung auswählen und Über- oder Unterschutz vermeiden.
Schutzklasse und Zusatzanforderungen nach mechanischer Beanspruchung, Umgebung, Durchtritts-, Rutsch-, Wärme- oder weiterer Gefährdung bestimmen.
Schutzwirkung nach Hitze, Flamme, Chemikalien, Wetter, Warnwirkung, Schweißarbeiten oder anderen anwendungsbezogenen Risiken auswählen.
Augen-, Gesichts-, Hand-, Körper- und Atemschutz auf Verfahren, Strahlung, Funkenflug, Wärme und Emissionen abstimmen.
System, Anschlagpunkt, Verbindungsmittel, Auffangraum und Rettungskonzept als zusammenhängende Schutzlösung betrachten.
Technische Anforderungen
Lösungsweg
Produkte werden erst ausgewählt, wenn Tätigkeit, Gefährdung und Schutzkonzept ausreichend klar beschrieben sind.
Tätigkeit, Exposition, Arbeitsumgebung und mögliche Folgen systematisch erfassen.
Die Gefährdungsbeurteilung steht vor der Auswahl von PSA oder Einzelprodukten.
Substitution sowie technische und organisatorische Maßnahmen vorrangig prüfen und persönliche Maßnahmen ergänzend einsetzen.
Ziel ist die Gefährdung möglichst wirksam und nahe an ihrer Quelle zu reduzieren.
Produktgruppe, Schutzklasse, Leistungskennwerte, Passform und Kompatibilität auf die verbleibende Gefährdung abstimmen.
Herstellerinformationen und produktspezifische Kennzeichnungen bleiben für die konkrete Auswahl maßgebend.
Benutzung, An- und Ablegen, Einsatzgrenzen, Kombinationen und Verhalten bei Störungen verständlich vermitteln.
Die tatsächliche Schutzwirkung hängt wesentlich von der richtigen Anwendung ab.
PSA regelmäßig auf Beschädigung, Alterung, Verschmutzung und Funktionsfähigkeit prüfen.
Pflege-, Wartungs-, Lagerungs- und Austauschvorgaben des Herstellers beachten.
Schutzmaßnahmen bei Änderungen von Tätigkeit, Arbeitsmitteln, Stoffen oder Umgebung erneut bewerten.
Ein Schutzkonzept muss zur realen Arbeitssituation passen und bei Veränderungen angepasst werden.
Unterweisung & Erhalt der Schutzwirkung
Richtige Benutzung, Einsatzgrenzen, An- und Ablegen, Kombination verschiedener PSA und Verhalten bei Störungen vermitteln.
Reinigung, Trocknung, Aufbewahrung und Schutz vor Beschädigung entsprechend Herstellerangaben durchführen.
Beschädigte, gealterte oder nicht mehr funktionsfähige PSA rechtzeitig aussondern und erforderliche Prüfungen einhalten.
Passende Bereiche
Wenn die Schutzanforderung ausreichend eingeordnet ist, führen die nächsten Schritte gezielt zu geeigneten Produktbereichen oder zu technischer Unterstützung.
Fachwissen
Die Auswahl persönlicher Schutzausrüstung setzt eine tätigkeitsbezogene Gefährdungsbeurteilung voraus. Schutzklasse, Leistungskennwerte, Passform, Kompatibilität und Herstellerangaben müssen zur konkreten Gefährdung passen. Produktinformationen und Auswahlhilfen können die Entscheidung unterstützen, ersetzen aber keine betriebliche Gefährdungsbeurteilung, Unterweisung, Herstellerprüfung oder die jeweils anzuwendenden Arbeitsschutzvorgaben.
Technische Unterstützung
Beschreiben Sie Tätigkeit, vorhandene Gefährdungen, Einsatzbedingungen und bereits getroffene Schutzmaßnahmen. So kann die Produktauswahl gezielter technisch eingeordnet werden.